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Sao Paulo: Der pulsierende Magnet – SATRip – Xvid

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Dauer: 45:00 | Größe: 700 MB | Sprache: Deutsch | Format: Xvid | Uploader: musikfreund

Das Porträt der brasilianischen Millionenstadt Sao Paulo von ZDF-Südamerika-Korrespondent Carsten Thurau ist der Auftakt des diesjährigen außenpolitischen Sommerschwerpunktes, in dessen Mittelpunkt zum zweiten Mal „Megacitys“ stehen. Nach New York, Kairo und Shanghai im letzten Jahr werden in diesem Sommer die drei Megacitys Sao Paulo, Lagos und Bombay vorgestellt. Drei Städte, drei Kontinente, drei Kulturkreise. Die ZDF-Korrespondenten Carsten Thurau, Walter Heinz und Peter Kunz berichten vom Leben und Überleben in den Riesenstädten, deren Ausmaße und Einwohnerzahl alle Vorstellungen sprengen. In Sao Paulo leben zirka elf Millionen Menschen, 20 Millionen sollen es im Großraum der Metropole sein. Eine solche Megacity zu erfassen, fällt nicht leicht. Sie erschließt sich am besten durch die Menschen, denen Sao Paulo zu einer Heimat geworden ist. Maria da Lapa ist eine von den Zugezogenen. Die 43-Jährige stammt aus dem Hinterland des brasilianischen Bundesstaates Bahia im Nordosten und kam vor sechs Jahren zusammen mit ihrem Mann und den elf Kindern nach Sao Paulo auf der Suche nach besseren Arbeits- und Lebensbedingungen. Die Ehe ging schief, und eine feste Arbeit hat sie auch nicht gefunden. Maria wohnt mit sechs ihrer Kinder im Zentrum von Sao Paulo in einem leerstehenden Bürogebäude. Das Haus ist 21 Stockwerke hoch und wurde von der Obdachlosenbewegung besetzt. Zwischenzeitlich wohnten hier knapp 500 Familien auf engstem Raum. Die Menschen bauen sich mit Brettern auf den Fluren eine Art Unterkunft, doch eine Privatsphäre gibt es nicht. „Hier zu leben ist schlimmer für mich als die Trennung von meinem Mann“, sagt Maria. Mit Gelegenheitsarbeiten verdient sie umgerechnet 300 Euro im Monat, 30 Euro bekommt sie Sozialhilfe vom Staat. Ihr großer Traum ist der Umzug in eine der Sozialwohnungen, die in der Peripherie gebaut werden. Zwar sind es von dort zwei Stunden mit Bus und Metro in die Innenstadt, aber die Häuser sind neu, jede Wohnung hat zwei Zimmer, ein eigenes Bad und eine kleine Küche. Die Stadt hat ihr und den Kindern bereits eine Wohnung in Aussicht gestellt. „Ich schäme mich sehr, wie ich jetzt lebe. Und ich bete jeden Tag zu Gott, so schnell es geht hier rauszukommen.“ Victor Oliva blickt zufrieden von der großen Terrasse seines Appartements im vornehmen Stadtteil Morumbi auf die Skyline von Sao Paulo. Der 53-Jährige hat es geschafft. An den Wänden hängen wertvolle Gemälde. „In dieser Stadt kann jeder, der will, seinen Traum erfüllen“, sagt er, „Sao Paulo ist die Stadt der Arbeit. Hier leben Menschen, die aus allen Teilen der Welt kommen, und sie alle sind in Sao Paulo zum Arbeiten und Geld verdienen.“ Victor gründete in den siebziger Jahren mit ein paar Freunden einen Nachtclub, in dem die Stars und Sternchen, die Prominenten und Reichen verkehrten. Heute beschäftigt er 400 Mitarbeiter in seiner Event-Agentur, hat verschiedene Firmen und züchtet in seinem Gestüt außerhalb der Stadt wertvolle Lusitaner-Pferde. „Sao Paulo ist eine männliche Stadt, schaut nur auf die vielen Hochhäuser. Rio de Janeiro ist weiblich, die Rundungen der Strandbuchten, die sanften Hügel, aber diese Stadt ist eindeutig maskulin.“ Wenn man die Einwohner von Sao Paulo, die Paulistanos, nach ihrer Stadt fragt, wird niemand von einer Hölle sprechen. Klar gibt es Dinge, die stören können, wie in jeder anderen Megacity auch – der Verkehr, die schlechte Luft oder auch die Kriminalität. Und niemand würde ernsthaft sagen, Sao Paulo sei eine schöne Stadt. Da hat die Rivalin 400 Kilometer nördlich, Rio de Janeiro, mehr zu bieten. Sao Paulo aber, diese einzigartige Stadt Brasiliens, ist der Puls Lateinamerikas, sie ist der Ort, an dem tatsächlich noch Träume in Erfüllung gehen können, sie ist Magnet für Menschen aus allen Teilen der Welt, und sie alleine verschafft Brasilien den Anschluss an die Industrienationen der so genannten Ersten Welt. Sao Paulo hat eine Wirtschaftskraft wie das komplette Nachbarland Argentinien. Ein Fünftel des brasilianischen Bruttosozialproduktes werden hier erarbeitet. Sao Paulo ist größter deutscher Industriestandort außerhalb Deutschlands. Sao Paulo ist die Stadt der Arbeit, hier werden die großen Geschäfte gemacht und das Geld verdient. Mögen doch die Cariocas, die Einwohner von Rio, stolz sein auf Zuckerhut und Copacabana. Sao Paulo ist die internationale Metropole Brasiliens. Hier ist nicht Provinz, hier ist das 21. Jahrhundert. Hier gibt es die Chancen und die Möglichkeiten und wenn man es hier nicht schafft, wird man es vielleicht nirgendwo in Südamerika schaffen. Alle schwören, Sao Paulo sei so sicher oder unsicher wie jede andere Metropole auf der Welt. Und trotzdem leben die, die es sich leisten können, hinter hohen Zäunen und Stacheldraht, haben private Sicherheitsdienste und gepanzerte Wagen. Victor Oliva beispielsweise fährt einen Mercedes 500 – mehrere Tonnen schwer mit Panzerglas und schusssicheren Stahlplatten. Gefährlich sind Blitzüberfälle an roten Ampeln oder kurzzeitige Entführungen, bei denen das Opfer mit Waffengewalt gezwungen wird, verschiedene Banken anzufahren und Geld abzuheben. „Es gehört für mich zur Routine in dieser Stadt, möglichst nicht immer dieselben Wege zu benutzen. Und an roten Ampeln versuche ich nicht zu halten, ich fahre langsam darauf zu und stoppe das Auto möglichst nicht. Nachts fahre ich immer über die roten Ampeln, denn alles andere wäre zu gefährlich“, erklärt er seine Strategie. Um in dieser Stadt zu leben und zu überleben, braucht man Strategien, und jeder sucht seine eigenen. Sao Paulo ist nicht schön, es ist eine laute und zum Teil dreckige Stadt, sie teilt sich in Arm und Reich, sie hat kein Oben und Unten, keine Fixpunkte und nach außen hin wird sie täglich immer größer. Aber sie ist Heimat für Menschen, die gerne in dieser Stadt leben, weil kein anderer Ort in Brasilien ihnen die Möglichkeit bietet, weiter zu kommen und Träume zu verwirklich

Sao Paulo – Der pulsierende Magnet
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Erstellt am 14 Mai '09, in Menschen, Reportagen, Städte. Tags: , .

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