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Talentprobe – dTV – Xvid

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Dauer: 1:54:00 | Größe: 1080 MB | Sprache: Deutsch | Format: Xvid | Uploader: mike234

Der WDR hat einen Kultfilm aus dem Archiv geholt: Peter Goedel hatte 1979 die „Talentprobe“ im Tanzbrunnen von Köln dokumentarisch begleitet – ein Vorläufer vieler Castingshows von heute. Der Film ist eine Zeitreise in die 70er Jahre mit viel Humor und Musik. „Das ist ja grausam“ steht auf dem einen Spruchband, ein schlichtes „Kotz!“ auf einem anderen, „Hau ab, du Kulturbanause“ auf einem dritten. Die 4000 zahlenden Zuschauer bei der „Talentprobe“ am Kölner Tanzbrunnen im Hochsommer 1979 kennen kein Erbarmen. Wer sich da vor ihnen auf der Bühne produziert, meist mit deutschen Schlagern der schlimmeren Sorte, immer mit der brennenden Sehnsucht, für den professionellen Musikmarkt entdeckt zu werden, muss damit rechnen, eine Katastrophe zu erleben. Das Publikum will ein Schlachtfest, pfeift und johlt wie besessen, bis auch das letzte Amateur-„Talent“ begriffen haben dürfte, dass es doch lieber in der Badewanne singen sollte. Doch einer wie der Malermeister Karl-Heinz Wandelbein, der sich vorgenommen hat, an diesem Abend die Stücke „Ihr Name war Carmen“ und „Quando mi amore“ vorzutragen, lässt sich durch die Meute am Tanzbrunnen nicht aus der Ruhe bringen. Im Gegenteil: Auf der Bühne blüht der vorher so schüchterne junge Mann, der beim Vorbereitungsgespräch mit dem Conferencier Udo Werner recht ängstlich und gehemmt gewirkt hatte, erst richtig auf, ahmt selbstbewusst die Showgesten der Schlagerprofis nach, scheint sich wohlzufühlen inmitten des allgemeinen Geheuls. Die Kölner „Talentprobe“ ist eine Feuerprobe. Die kleinbürgerlichen Gladiatoren, die da in die Arena treten — zum Beispiel ein Maurer, ein Elektromonteur, eine kaufmännische Angestellte —, können oft keine Noten lesen, keine Tonarten erkennen, keine Melodie halten. Dennoch wagen sie den Schritt ins Rampenlicht. Hinter dem Ritual am Tanzbrunnen wird die Sehnsucht der Akteure spürbar, etwas anderes, etwas Besonderes zu erleben: um beinahe jeden Preis. Denn was das Publikum betreibt, aufgeheizt von den zynischen Kalauern des Conferenciers, gleicht einer gezielten Demontage. Der Dokumentarist Peter Goedel mischt sich nicht ein, erspart sich und dem Kinopublikum kritische Kommentare. Er und seine vier Kameramänner (angeführt von David Slama) zeigen, knapp zwei Stunden lang, den Ablauf der 5018. „Talentprobe“ – vom Eintreffen der Kandidaten am Nachmittag bis zur Entscheidung am späten Abend. Ganz am Ende sieht man die Gesichter der Verlierer: stumm, verschlossen, erschöpft, gezeichnet von einer Erfahrung, die sie — und die Zuschauer im Kino — lange nicht werden vergessen können. Goedels Arbeitsweise hat ihm damals den Vorwurf eingebracht, er potenziere nur noch die Unbarmherzigkeit dieser unbarmherzigen Veranstaltung. Aber gerade der Verzicht auf eine besserwisserische Kommentierung, die konzentrierte Beobachtung der Personen hinter und auf der Bühne — die Kandidaten, die hilfreiche Profiband, die selbst den größten Nichtskönner noch gut aussehen lassen will, der ständig schalen Frohsinn produzierende Showmaster — das ist dokumentarisches Arbeiten in seiner besten Form. Die gelassene Sorgfalt, mit der die ruhigen Schwarzweiß-Bilder ganz ohne Fernseh-Reportagen-Flüchtigkeit aufgenommen und von Goedel mit Hilfe des Meister-Cutters Peter Przygodda (der fast alle Wenders-Filme schnitt) montiert wurden, überzeugt auch heute noch – 30 Jahre später!

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Erstellt am 24 Januar '10, in Menschen. Tags: , , .

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